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ChatGPT: Was hinter Chat, Work, Codex und Sprachmodus steckt
Erik Weber · · 9 Min. Lesezeit
Wer "ChatGPT" sagt, meint meistens ein Chatfenster. Inzwischen steckt dahinter eine ganze Werkstatt, und das Chatfenster ist nur die Tür.
Was brauchst du wofür?
Die wichtigste Frage zuerst: Welche Oberfläche passt zu deiner Aufgabe?
| Du möchtest … | Passender Einstieg | Tarif |
|---|---|---|
| eine Frage klären, einen Text überarbeiten, ein Bild erzeugen | Chat | ab Free |
| täglich mit KI sprechen, etwa eine Sprache üben | Sprachmodus und Projekte | ab Free |
| Dateien, Browser und Programme am Rechner steuern lassen | ChatGPT Work | bezahlter Tarif |
| Code schreiben oder prüfen lassen | Codex | ab Free, begrenzt |
| dein Abo in einem anderen Agenten-Werkzeug nutzen | Anmeldung mit ChatGPT | bezahlter Tarif |
Der Chat und die Agenten unterscheiden sich vor allem im Zugriff: Im Chat sieht ChatGPT nur, was du ihm gibst. Work und Codex dürfen auf deinem Rechner arbeiten, und genau das macht sie nützlich und heikel zugleich.
Die Oberflächen
Chat
Die bekannte Oberfläche im Browser, auf dem Desktop und mobil. Dazu gehören:
- Projekte: ein Ordner mit eigenen Anweisungen und Dateien, in dem alle Gespräche zu einem Thema zusammenbleiben
- Gedächtnis: ChatGPT merkt sich Angaben über dich und kann auf frühere Gespräche zurückgreifen
- Sprachmodus: du sprichst, ChatGPT antwortet gesprochen
- Bilder: ChatGPT erzeugt und bearbeitet Bilder, laut unabhängigen Übersichten in jedem Tarif, im Gratis-Tarif aber begrenzt
Der Chat ist Gesprächspartner und Alltagswerkzeug. Je mehr er über dich weiß, desto persönlicher antwortet er.
ChatGPT Work
ChatGPT Work fasst laut unabhängigen Berichten die Agenten-Funktionen von OpenAI in einer Desktop-App zusammen. Der Agent arbeitet mit Dateien, steuert einen Browser und kann am Rechner klicken, tippen und Dateien verschieben. Je länger und komplexer eine Aufgabe ist, desto mehr deines Kontingents verbraucht sie.
Work ist ein Assistent mit Zugriff auf deinen Rechner. Was er darf, entscheidest du.
Codex
Codex ist der Programmier-Agent von OpenAI. Er liest ein Projekt, schreibt und ändert Code und prüft ihn. Laut OpenAI ist Codex in allen ChatGPT-Tarifen enthalten, auch im kostenlosen, mit einem Kontingent, das mit dem Tarif wächst. Er läuft im Terminal, in der Entwicklungsumgebung, in der Desktop-App und im Web.
Neu ist die Verbindung mit dem Sprachmodus: Seit dem 24. Juli 2026 lässt sich laut TechCrunch ChatGPT Voice am Desktop nutzen, um Work und Codex per Sprache zu steuern. Über die mobile App kannst du außerdem Aufgaben auf deinem Rechner aus der Ferne beobachten und freigeben.
Dein Abo in anderen Werkzeugen
Du kannst dich in Agenten-Werkzeugen wie OpenClaw oder Hermes Agent mit deinem ChatGPT-Konto anmelden und deren Anfragen über dein Abo laufen lassen, statt pro Token zu bezahlen. In der Dokumentation von OpenClaw steht, dass OpenAI diese Nutzung ausdrücklich unterstützt. Der Ablauf: Das Werkzeug zeigt einen Code und einen Link, du bestätigst die Anmeldung im Browser, fertig.
Bei Anthropic ist das anders geregelt: Laut Doku dürfen Anmeldedaten der Tarife Free, Pro und Max nicht in Werkzeugen Dritter verwendet werden. Die Regeln dazu haben sich in diesem Jahr mehrfach geändert, deshalb vor dem Einsatz die aktuellen Bedingungen beider Anbieter prüfen.
Welches Modell?
Die Modelle wechseln bei OpenAI schnell. In der Modellauswahl der Desktop-App standen bei mir am 6. Oktober 2026 acht Einträge: „Standard“ als empfohlene Auswahl, GPT-6.1 Sol, GPT-6 Astra, GPT-6 Sol, GPT-6 Luna sowie GPT-5.6 Sol, Terra und Luna. Laut unabhängigen Übersichten ist Astra für die schwierigsten Aufgaben gedacht, Sol und Luna sind die Modelle für die Arbeit in ChatGPT Work und Codex.
Neben dem Modellnamen steht im Eingabefeld die Denktiefe, im Screenshot „Mittel“. Laut unabhängigen Übersichten gibt es Medium, High und Extra High. Welche Modelle du siehst, hängt von Tarif und Rollout ab. Ein Blick in die Modellauswahl deines Kontos ist verlässlicher als jede Übersicht.
Wofür ChatGPT taugt und wofür nicht
Gut geeignet für
- Alltagsfragen, private wie berufliche, schnell und ohne Umwege
- Bilder erzeugen und bearbeiten
- Sprechen statt Tippen, zum Beispiel für einen täglichen Sprachcoach
- Code gegenlesen und eine zweite Meinung einholen
- Wiederkehrende Themen in Projekten bündeln
Weniger geeignet für
- Entscheidungen, die du nicht selbst prüfen kannst: ChatGPT formuliert auch Fehler überzeugend
- Unbeaufsichtigte Arbeit mit wichtigen Dateien und Zugängen. Ein Agent, der am Rechner klicken darf, kann auch Falsches anklicken. Dazu kommt Prompt Injection, also versteckte Anweisungen in Webseiten oder Dateien
- Personenbezogene Daten Dritter im Verbraucher-Tarif (siehe geschäftlicher Einsatz)
Was kostet ChatGPT?
Die Tarife laut OpenAI und unabhängigen Übersichten, Stand 6. Oktober 2026, in US-Dollar. Preise vor einer Entscheidung auf der Preisseite von OpenAI prüfen. In Deutschland kommen Steuern dazu, Plus kostet dort laut Übersichten rund 23 Euro.
| Tarif | Preis pro Monat | Für wen |
|---|---|---|
| Free | 0 USD | ausprobieren |
| Go | 8 USD | leichte Nutzung |
| Plus | 20 USD | Einzelpersonen im Alltag |
| Pro | ab 100 USD, auch 200 und 500 USD | Vielnutzer, ohne Fünf-Stunden-Limit |
| Business | 20 USD pro Platz bei Jahreszahlung, 25 USD monatlich | Teams ab 2 Personen |
| Enterprise | auf Anfrage | große Organisationen |
Bei Business gibt es laut Übersichten zusätzlich Premium-Plätze für 100 USD bei Jahreszahlung mit fünffacher Nutzung. Codex und Work ziehen aus demselben Kontingent wie der Chat; wie viel du pro Aufgabe verbrauchst, veröffentlicht OpenAI nicht als feste Zahl.
Was passiert mit deinen Daten?
Werden deine Chats zum Training genutzt?
In den Verbraucher-Tarifen (Free, Go, Plus, Pro) können deine Gespräche laut OpenAI zur Verbesserung der Modelle genutzt werden, solange du nicht widersprichst. Meine Empfehlung: Schalte es ab. In den Einstellungen unter Datenkontrollen die Option „Das Modell für alle verbessern“ ausschalten (englische Oberfläche: „Improve the model for everyone“). Die Bezeichnung in deiner Sprache kann abweichen.
In Business, Enterprise und über die API trainiert OpenAI laut eigenen Angaben standardmäßig nicht mit deinen Daten, auch nicht mit den Sitzungen des Agenten.
Was weiß ChatGPT über dich?
Mit dem Gedächtnis sammelt ChatGPT über Monate Kontext über dich. Das macht Antworten persönlicher, ist aber auch eine Datensammlung. Sieh gelegentlich in die Einstellungen zum Gedächtnis, lösche, was nicht mehr stimmt oder nicht dorthin gehört, und nutze für Gespräche ohne Vorgeschichte einen temporären Chat.
Was gilt beim geschäftlichen Einsatz?
Tarif: Wer im Team arbeitet und zentral verwalten will, landet bei Business oder Enterprise. Die Verbraucher-Tarife taugen nicht für die Arbeit mit Daten Dritter.
DSGVO und AVV: Eine pauschale Garantie für DSGVO-Konformität gibt es nicht. Eine Auftragsverarbeitungsvereinbarung (AVV) bekommst du laut unabhängigen Übersichten erst ab Business, in Free, Go, Plus und Pro nicht. Wenn du personenbezogene Daten im Auftrag verarbeiten lässt, brauchst du eine passende AVV und musst zusätzlich den konkreten Einsatz prüfen, etwa Rechtsgrundlage, Zugriffsschutz und Drittlandtransfers.
Datenresidenz in Europa: OpenAI bietet die Speicherung ruhender Daten in Europa für neue Workspaces in Enterprise und Edu an, für die API auch die Verarbeitung in Europa. Für Business gilt das laut OpenAI nicht.
Meine Einschätzung
ChatGPT ist mein Daily Driver. Ich nutze es für alle möglichen Anfragen, privat wie beruflich. Claude nehme ich für die Arbeit, weil die Ergebnisse qualitativ besser sind, vor allem beim Programmieren. Wenn ich wirklich Qualität brauche, greife ich zu Claude. Mit Opus 5.5 liegt Claude für mich derzeit vorn, bei der Qualität und bei der Geschwindigkeit. Das ist mein Eindruck aus der täglichen Arbeit, kein Benchmark.
Wofür ich ChatGPT trotzdem gern nehme:
- Code-Review: Ich lasse meinen Code oft von ChatGPT gegenlesen, als zweite Meinung
- Bilder: Für mich ist ChatGPT hier praktischer und besser
- Kontext über mich: Ich bin seit Anfang an im bezahlten Abo, ChatGPT kennt mich deshalb recht gut
- Projekte: Ich habe zum Beispiel ein Projekt, in dem ich Spanisch lerne, als täglicher Coach
- Sprache: Der Sprachmodus funktioniert aus meiner Sicht besser als bei Claude
Was mich zuletzt beeindruckt hat, sind zwei Dinge. Erstens: Das Abo lässt sich in Werkzeugen wie OpenClaw oder Hermes Agent nutzen, bei Anthropic funktioniert das nicht so gut. Zweitens: die Kombination aus Sprache und Codex. Ich starte am Mac oder in meiner Cloud eine Sitzung, die auf meine Dateien zugreift. Habe ich einen Termin, wechsle ich zum Handy und gehe in den Sprachmodus. Dann bedient Codex meinen Rechner, füllt zum Beispiel Formulare aus oder erstellt Präsentationen, während ich aus dem Auto live mit ihm „telefoniere“. Das ist ein cooles Gefühl.
Dazu ein Hinweis: Ein Agent, der auf deinem Rechner arbeitet, während du fährst, kann nicht jede Rückfrage sofort mit dir klären. Gib ihm deshalb nur Aufgaben, bei denen ein Fehler nichts kaputt macht, und lies das Ergebnis danach nach.
Quellen
- ChatGPT: Tarife und Preise (OpenAI)
- Codex: Tarife und Nutzung (OpenAI, Dokumentation)
- OpenClaw: OpenAI-Anbindung mit ChatGPT-Abo (OpenClaw-Dokumentation)
- OpenAI's new voice mode makes it to the ChatGPT desktop app (TechCrunch, 24.07.2026)
- Codex Remote Control in the ChatGPT App (Android Headlines, 05.2026)
- Introducing data residency in Europe (OpenAI)
- How your data is used to improve model performance (OpenAI)
- ChatGPT Business Pricing 2026 (Justin McKelvey)
- ChatGPT Datenschutz im Unternehmen (Externer Datenschutzbeauftragter Dresden)
- ChatGPT Models Explained: GPT-6 Astra, GPT-5.6, GPT-5.5 (AI Toolbox)
- Anthropic bans Claude subscription OAuth in third-party apps (Winbuzzer, 19.02.2026)
- Verantwortliche und Auftragsverarbeiter: Pflichten (Europäischer Datenschutzausschuss)