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Open WebUI: Eine Chat-Oberfläche für lokale und Cloud-Modelle

Erik Weber · · 11 Min. Lesezeit
Die meisten KI-Chats gehören dem Anbieter des Modells. Open WebUI dreht das um: Die Oberfläche gehört dir, die Modelle suchst du dir aus.
Zur Website: openwebui.com · Quellcode und Installation auf GitHub
Was brauchst du wofür?
Die wichtigste Frage zuerst: Was soll besser werden als mit dem KI-Chat, den du schon nutzt?
| Aufgabe | passt? | warum |
|---|---|---|
| Antwort von zweitem Modell prüfen | ja | Modell im Gespräch wechseln |
| Vertrauliches mit lokalem Modell | ja, mit Hardware | nur ohne externe Dienste |
| Ein Chat für das ganze Team | ja, mit Pflege | Nutzer und Rechte |
| Sofort loslegen ohne Technik | nein | Installation nötig |
| Websuche und Werkzeuge mit kleinen Modellen | nur nach Test | Einstellungen mit Wirkung |
Wie Open WebUI funktioniert
Open WebUI ist selbst kein KI-Modell. Es ist die Oberfläche davor: Gesprächsverlauf, Eingabefeld, Dateien, Nutzerkonten. Die Antworten kommen von einem Modell, das du anbindest. Das kann ein lokales Modell sein, das zum Beispiel über Ollama oder llama.cpp auf deinem Rechner läuft. Oder ein Cloud-Modell über eine OpenAI-kompatible Schnittstelle, also im Datenformat von OpenAI, wie sie viele Anbieter und Vermittler wie OpenRouter anbieten.
Du installierst Open WebUI auf einem eigenen Rechner oder Server, laut Hersteller per Docker, Python oder Kubernetes. Danach öffnest du es im Browser. Die aktuelle Version war am 16. Oktober 2026 die 0.12.3; neue Versionen erscheinen häufig.
Open WebUI ist das Fenster, nicht das Gehirn. Welches Modell antwortet, wählst du.
Modelle wechseln und vergleichen
Oben im Chat steht die Modellauswahl. Laut Hersteller kannst du das Modell mitten im Gespräch wechseln, der bisherige Verlauf bleibt erhalten. Über den Vergleichsmodus antworten zwei oder mehr Modelle nebeneinander auf dieselbe Frage. Eine Funktion zum Zusammenführen lässt eines der Modelle aus allen Antworten eine gemeinsame schreiben. Der Hersteller kennzeichnet sie als experimentell: Das Ergebnis ist nur so gut wie das Modell, das zusammenfasst.
Für Admins gibt es zusätzlich eine Modell-Arena mit Bewertungen und einer Rangliste. So sieht ein Team mit der Zeit, welches Modell bei den eigenen Aufgaben besser abschneidet.
Erweiterungen
Open WebUI lässt sich stark anpassen. Laut Hersteller gibt es Werkzeuge und Funktionen als Python-Skripte, die im Chat laufen, eine Anbindung an MCP-Server (MCP, Model Context Protocol, ist ein Standard, über den eine KI fremde Werkzeuge aufruft), eine Wissensdatenbank für eigene Dokumente, ein Gedächtnis über Gespräche hinweg und gemeinsame Kanäle für Menschen und Modelle. Dazu kommt eine Sammlung von Erweiterungen aus der Community, die du vor dem Einsatz selbst prüfen solltest.
Einstellungen mit Wirkung
Drei Einstellungen entscheiden, ob Open WebUI im Alltag so gut wirkt wie ein großer Cloud-Chat. Alle liegen in den Admin-Einstellungen.
| Einstellung | Wirkung | Hinweis |
|---|---|---|
| Websuche | Antworten mit Quellen | Suchdienst nötig |
| Werkzeugaufrufe | Modell nutzt Werkzeuge | starkes Modell nötig |
| Kontext kürzen | lange Gespräche möglich | ab Werk aus |
Websuche: Funktioniert erst, wenn du einen Suchdienst einrichtest. Laut Doku gibt es über zwanzig, etwa SearXNG zum Selbstbetreiben ohne Schlüssel oder kostenpflichtige Dienste wie Brave oder Tavily mit eigenem Schlüssel.
Werkzeugaufrufe: Seit Version 0.10 nutzt Open WebUI dafür die eingebaute Funktion des Modells. Die Doku empfiehlt bei Problemen ein Modell, das Werkzeuge besser beherrscht, und nennt als Beispiele vor allem Cloud-Modelle. Kleinere lokale Modelle solltest du deshalb mit deiner eigenen Aufgabe testen, bevor du dich darauf verlässt.
Kontext kürzen: Wechselst du in einem langen Gespräch zu einem Modell mit kleinerem Kontextfenster, kann der Verlauf zu lang werden (eigene Ableitung). Eine automatische Zusammenfassung älterer Nachrichten gibt es laut Doku, sie ist aber ab Werk ausgeschaltet.
Newsletter
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Was verbessert sich gegenüber deinem bisherigen KI-Chat?
Die folgenden Beispiele sind abgeleitet aus den Möglichkeiten laut Hersteller. Selbst genutzt ist davon nur, was im Abschnitt Meine Einschätzung steht.
Zweitmeinung im selben Gespräch
Für Solo-Selbstständige und Marketing: Du lässt einen Newsletter von einem Modell entwerfen, wechselst dann das Modell und bittest um Kritik. Der Unterschied zu zwei getrennten Chat-Abos: kein Kopieren zwischen Fenstern, der Verlauf liegt an einem Ort, und das zweite Modell sieht denselben Kontext. Ob die Kritik trägt, entscheidest weiterhin du.
Angebote mit zwei Modellen gegenlesen
Für Führungskräfte und Sales: Eine Entscheidungsvorlage oder ein Angebotstext geht im Vergleichsmodus gleichzeitig an zwei Modelle verschiedener Hersteller. Abweichungen zeigen, wo eine Aussage unklar ist. Für Texte mit Kundendaten wählst du ein lokales Modell ohne externe Erweiterungen oder klärst vorher den geschäftlichen Einsatz.
Gemeinsamer KI-Arbeitsplatz im Team
Für kleine Firmen: Jede Person bekommt ein eigenes Konto, Admins legen fest, wer welche Modelle und Werkzeuge nutzen darf. Ein vorbereitetes Modell mit festen Anweisungen und den eigenen Leitfäden als Wissen kann zum Beispiel Antworten auf häufige Kundenanfragen vorformulieren. Der Preis dafür: Jemand muss den Server pflegen.
Wofür Open WebUI taugt und wofür nicht
Gut geeignet für
- lokale Modelle mit vertrauter Chat-Oberfläche nutzen
- verschiedene Modelle im selben Gespräch wechseln und vergleichen
- einen gemeinsamen KI-Chat mit Nutzerkonten selbst betreiben
Weniger geeignet für
- Einstieg ohne Technik: Ohne Installation und Serverpflege geht es nicht
- Einzelpersonen, die nur am eigenen Laptop chatten wollen; dafür gibt es schlankere Apps (siehe Alternativen)
- Websuche und Werkzeuge mit kleinen lokalen Modellen ohne eigenen Test
Was kostet Open WebUI?
Die Software selbst ist kostenlos. Laut Hersteller gibt es eine Enterprise-Lizenz mit eigenem Branding und Support; Preise nennt er nur auf Anfrage. Stand 16. Oktober 2026.
| Posten | Kosten | Hinweis |
|---|---|---|
| Open WebUI | kostenlos | eigene Lizenz |
| Server oder Rechner | einmalig, Strom | für lokale Modelle mehr Speicher |
| Cloud-Modelle | je Nutzung | beim Anbieter |
| Enterprise-Lizenz | auf Anfrage | Branding, Support |
Für Cloud-Modelle zahlst du beim jeweiligen Anbieter, nicht bei Open WebUI. Für lokale Modelle entscheidet die Hardware, wie groß das Modell sein kann. Der größte versteckte Posten ist die Zeit für Einrichtung und Updates (eigene Ableitung).
Was passiert mit deinen Daten?
Bei Open WebUI gibt es zwei Stellen, die deine Daten sehen: deinen eigenen Server und, wenn du eines nutzt, den Anbieter des Cloud-Modells. Angaben laut Dokumentation, abgerufen am 16. Oktober 2026.
Wo werden Gespräche gespeichert?
Auf dem Server, auf dem Open WebUI läuft. Laut FAQ sammelt Open WebUI selbst keine Daten und schickt ab Werk nichts an externe Dienste. Verschlüsselt sind die gespeicherten Gespräche laut Doku nicht automatisch; dafür musst du auf Ebene von Datenbank oder Festplatte sorgen.
Wer kann mitlesen?
Admins können die Gespräche aller Nutzer einsehen, das ist laut Doku so vorgesehen. Wer das nicht will, schaltet es über eine Einstellung beim Start (ENABLE_ADMIN_CHAT_ACCESS=false) ab. Wer direkten Zugriff auf Server, Datenbank oder Backups hat, sieht die Daten trotzdem.
Was geht an die Modellanbieter und andere Dienste?
Bei einem lokalen Modell rechnet das Modell auf deiner Hardware. Komplett im Haus bleibt ein Gespräch aber nur, wenn auch alle eingeschalteten Erweiterungen lokal laufen. Eine kommerzielle Websuche, ein externer MCP-Server oder ein anderes Werkzeug im Netz bekommt Suchanfragen oder Teile deiner Eingaben, auch wenn das Modell selbst lokal ist. Prüf deshalb vor vertraulichen Inhalten, welche Erweiterungen aktiv sind. Sobald du ein Cloud-Modell wählst, gehen deine Eingaben laut FAQ an dessen Anbieter. Ob dort gespeichert oder trainiert wird, regeln dessen Bedingungen, nicht Open WebUI. Läuft die Anfrage über einen Vermittler wie OpenRouter, kommt eine weitere Stelle mit eigenen Regeln dazu.
Was gilt beim geschäftlichen Einsatz?
Du bist der Betreiber: Updates, sichere Verbindung, Backups und Zugriffsrechte liegen bei dir oder deinem Dienstleister. Ein Homelab-Betreiber berichtet nach sechs Monaten, dass Updates häufig kommen und gelegentlich neue Fehler mitbringen. Open WebUI bietet laut Hersteller Anmeldung über Firmenkonten (SSO, LDAP) und Rechte nach Gruppen.
Verträge: Mit Open WebUI selbst schließt du keinen Vertrag zur Auftragsverarbeitung (AVV), solange du die Software selbst betreibst (eigene Ableitung). Ob du mit einem Cloud-Anbieter oder Hoster einen AVV brauchst, hängt von seiner Rolle ab: Verarbeitet er personenbezogene Daten in deinem Auftrag, ist ein AVV nötig. Nutzt er Daten auch für eigene Zwecke, reicht ein AVV nicht als Grundlage. Das klärst du am besten je Anbieter mit deiner Datenschutzberatung.
Mitarbeitende informieren: Weil Admins ab Werk mitlesen können, solltest du festlegen und offen sagen, wer Zugriff auf Gespräche hat.
Lizenz: Seit Version 0.6.6 von 2025 steht Open WebUI unter der eigenen „Open WebUI License“. Sie entspricht weitgehend der BSD-Lizenz, verbietet aber, Name und Logo zu entfernen oder zu ersetzen. Ausnahmen gelten für höchstens 50 Nutzer in 30 Tagen, mit schriftlicher Erlaubnis oder mit Enterprise-Lizenz. Für die normale Nutzung mit Original-Logo ändert sich nichts. Wer Open WebUI unter eigenem Namen an Kunden weitergeben will, sollte den Lizenztext prüfen lassen.
Welche Alternativen gibt es?
- LibreChat: ebenfalls eine selbst betriebene Chat-Oberfläche für viele Anbieter, unter der freien MIT-Lizenz. Interessant, wenn du das Branding frei gestalten willst
- AnythingLLM: Schwerpunkt auf Fragen an eigene Dokumente, auch als Desktop-App für einen einzelnen Rechner. Ebenfalls MIT-Lizenz
- LM Studio: Desktop-App, die lokale Modelle herunterlädt und ausführt. Für Einzelpersonen einfacher, ohne Server und ohne Team-Funktionen
- Langdock und ähnliche Dienste: fertige Chat-Oberflächen für Teams mit mehreren Modellen, gehostet vom Anbieter. Kein eigener Server, dafür ein weiterer Vertragspartner
Meine Einschätzung
Vor etwa einem halben Jahr habe ich lokale KI-Modelle auf meinem Heimserver betrieben. Mit Open WebUI bekam ich eine ähnliche Oberfläche wie bei ChatGPT oder Claude und hatte viel Spaß damit. Plugins und eigene Funktionsaufrufe erlauben viele Anpassungen.
Spannend finde ich, im Gespräch das Modell zu wechseln und eine Antwort von einem weiteren Modell bewerten zu lassen.
Websuche und Werkzeugaufrufe funktionierten in meinem damaligen Setup nicht gut. Ob das an den Modellen, der Hardware oder meiner Konfiguration lag, weiß ich nicht. Ein allgemeiner Mangel ist das nicht; was die Doku heute dazu sagt, steht unter Einstellungen mit Wirkung.
These: Open WebUI zusammen mit einem Vermittler wie OpenRouter könnte lokale und große Cloud-Modelle in einem Fenster vereinen. Ausprobiert habe ich diese Kombination noch nicht.
Ein Erfahrungsbericht von Martin Sauter beschreibt genau diesen Aufbau: Er hat in seinem Open WebUI einen OpenRouter-Schlüssel hinterlegt und sieht die Cloud-Modelle neben den lokalen. Vertrauliche Texte würde er darüber trotzdem nicht schicken.
Quellen
- What You Can Do with Open WebUI (Open WebUI, abgerufen 16.10.2026)
- Multi-Model Chats, Dokumentation (Open WebUI, abgerufen 16.10.2026)
- Essentials for Open WebUI, Dokumentation (Open WebUI, abgerufen 16.10.2026)
- Chat Data Privacy & Encryption, Dokumentation (Open WebUI, abgerufen 16.10.2026)
- FAQ (Open WebUI, abgerufen 16.10.2026)
- Lizenztext Open WebUI License (GitHub, abgerufen 16.10.2026)
- My AI Learning Journey, Part 8: OpenRouter (Martin Sauter, WirelessMoves, 22.04.2026)
- Open WebUI: The Self-Hosted ChatGPT You've Been Waiting For (mustafa.net, Homelab-Blog, 20.03.2026)
Open WebUI ist eine Marke der Open WebUI Inc. Dieser Beitrag ist unabhängig entstanden und wurde von Open WebUI weder beauftragt noch geprüft.